Nackt unter Fremden

Iris und ich sind ja hin und wieder verwegen. Manchmal rechnen wir auch gar nicht damit wie verwegen. Und so wagten wir uns in eine Veranstaltung mit dem Titel "FKuK Riviera", bei der es sowohl einen Bereich für angezogen  als auch einen für nackt gab. Letzteres hatten wir eigentlich überhaupt nicht vor. Nach gefühlt 10 Minuten Workshop waren wir dann doch pudelnackt. Ein Erfahrungsbericht über eine unglaubliche Nacht.

 


 © Katja Grach - Nackt unter Fremden

Iris: Jetzt steh ich doch tatsächlich halbnackt da. Halbnackt ist sogar noch euphemistisch. Ich trage nur noch meinen BH, die guten alten Busenkomplexe sind wieder da. Aber nur kurz. Vom anderen Ende des Raums winkt mir eine euphorische Katja zu, total nackt und strahlend und wunderschön. Und ich wende mich wieder meinem ebenso leicht bekleideten Gegenüber zu.

Wie kam es dazu?

Iris: Auf der Uni, in Lokalen, überall sah ich sie, die Flyer zu dieser seltsamen Veranstaltung. (FkuK  Riviera. Urlaub von der Konvention). Freikörperkultur ist ein Thema mit dem ich mich nie beschäftigt hab. Alles was ich darüber zu wissen glaubte, stammte aus dem „Alltagsgschichten“ Donauinsel-Special von der immer wieder so unglaublich guten Spira.

 

Katja: Oh ja, das Donauinsel-Special ist mir ebenfalls nachhaltig in Erinnerung geblieben mit inline-skatenden älteren Herren, deren Penisse im Wind baumeln. Mir sind die Flyer zur FKuK Riviera allerdings schon bei einer Nackt-Tanzperformance begegnet, wo sich bei der Publikumsdiskussion der Veranstalter ebenfalls nackig gemacht hat, um seine Fragen zu stellen und dann noch Flyer verteilte. FKK kenn ich ja ansich aus eigener Erfahrung ;-)

 

Iris: Katja, die Wilde und ich haben beschlossen uns das anzuschauen. Ganz typisch österreichisch: mal schauen, dann sehen wir schon. Wir waren jedenfalls fest überzeugt dort keinerlei Hüllen fallen zu lassen. Abenteuerlustig wie ich bin habe ich mich gleich mal vorsorglich für eine sehr ausgewaschene Hello-Kitty-Unterhose entschieden um falls ich in Versuchung geraten sollte mich dort zu entkleiden auch gleich wirklich alles ausziehen müsste.

 

Katja: Ebenso vorsorglich war ich mit einer Schwangerschaftsstrumpfhose ausgestattet, weil die keine so blöden Querstreifen auf meinem wabbeligen Bauch macht. Ausziehen? Nö, nur mal schauen.

 

Iris: Wir wanderten also des nachts gen botanischen Garten und wurden dort von zwei Menschen mit Anzug sehr herzlich begrüßt. Der veranstaltungsinterne Stempel wurde uns statt auf den Hand auf den Hals gedrückt. Drinnen war es ausgesprochen kalt, 19 Grad wie uns wohlmeinend mitgeteilt wurde. Nicht erstaunlich, dass mehr Menschen in dicken Pullovern als nackt unterwegs waren. Wir versicherten uns erneut uns keinesfalls auszuziehen. Ist ja viel zu kalt! Katja entschied sich stattdessen für ein wärmendes Curry und das Anbehalten der Winterjacke. 

 

Katja: Ja das wärmende Curry, das mir aufgrund seines Sojagehalts dann auch noch Blähungen beschert hat.

Iris: Trotz des mehrheitlich bekleideten Status der Anwesenden war die Stimmung ganz ungewohnt und spannend. Es gab viel mehr und unkonventionelleren Blickkontakt. Wir wurden gemustert, wohlwollend, freundlich, aber auch sehr neugierig. Die Besucher_innen des FKK Riviera Fests wollten was erleben, Urlaub von den Konventionen machen, wie der Flyer versprochen hatte.

 

Katja: Zwischen riesigen Kakteen fanden Vorträge über FKK und Nudismus statt. Alle anwesenden grinsten ein bisschen vor sich hin. 

 

Iris: Gerade als Katja und ich erneut ein Gespräch zur hinderlichen Kälte im botanischen Garten begannen, erschien eine Gruppe Menschen aus dem Nacktbereich. Allesamt nackt, mit Masken vorm Gesicht patroullierten sie durch die bekleideten Massen, die wie wir zwar neugierig aber zögerlich oder zu kälteempfindlich waren. Ein Mann mit glöckchengeschmücktem Penis und güldener Sonnenmaske schaute mir lange und tief in die Augen um mir dann einen Apfel zu schenken. Sehr einladend, sehr freundlich, aber auch sehr ungewohnt. So stelle ich mir Urlaub von den Konventionen tatsächlich vor. Ich bin ganz klassisch weiblich sozialisiert, ich kenne sämtliche Höflichkeitsregeln, die am oberösterreichischen Land Mädchen eben so mitkriegen. Lächeln, Nicken, niemals was von Fremden oder Männern im Allgemeinen annehmen, höflich Grüßen…

 Aber es gibt keine explizite Regel dazu, wie ich mich zu verhalten habe,

wenn ein nackter Mensch mit kreativem Penisschmuck mir Äpfel schenkt. 

Iris: Christopher Gottwald, der äpfelspendende Sonnenmaskenmann, veranstaltete danach einen Workshop zum Thema „Sehen und Gesehen werden“. Ein unglaublich spannendes Thema zu dem ich mir davor nur aus feministischer Perspektive mit Fokus auf den „male gaze“ Gedanken gemacht habe. Ich war willens mir das nun ganz praktisch anschauen, gemeinsam mit Katja. Denn wir sind ja offen und neugierig, vorsichtig und überzeugt einigermaßen bekleidet zu bleiben, aber neugierig. 

 

Katja: Im Grunde war es ja genau der Ankündigungstext für "Sehen und gesehen werden", der mich reizte, warum ich überhaupt auf dieser Veranstaltung war. Und weil Iris ja ohnehin immer so spannende Sex-Veranstaltungen besucht, dachte ich, ich muss auch mal über meinen Schatten springen. Aber eben, von Ausziehen konnte noch nicht die Rede sein. Allein schon wegen dieser unsäglichen Strumpfhose.

Der Workshop: "Sehen und gesehen werden"

Iris: Wir standen in einem offenen, nicht allzu warmen Raum mit bunten Teppichen auf dem Boden. Wir sind eine Gruppe von etwa 15 Menschen, verschiedenen Alters und Geschlechts, allesamt noch einigermaßen vollständig bekleidet. Christopher Gottwald sprach zu uns darüber, dass es wenig gesellschaftlich angesehenen Umgang mit dem genauen Ansehen von Körpern gibt, obwohl da ein riesiges kollektives Interesse besteht. Wann dürfen wir uns nackte Körper denn schon ganz genau anschauen? Anschauen läuft meistens versteckt mit voyeuristischer Komponente, wie bei Internetpornos. Nach den frühen Kinderjahren wird schnell klar, dass intensives Anschauen anderer Körper in der persönlichen Interaktion mit den dazugehörigen Menschen unhöflich ist. Es gibt kaum konventionelle Möglichkeiten Ansehen und Angesehen-Werden konsensuell und ohne klassischen Sexkontext zu verhandeln. Wir machten aber gerade Urlaub von den Konventionen und wollen das ausgiebige Anschauen und Angeschaut-Werden mal anders ausprobieren.

 

Wir fingen das aber durchaus sanft an. Wir redeten erstmal darüber ob wir stärkere Bedenken haben anzuschauen oder angeschaut zu werden. Spannenderweise haben etwa gleich viele Menschlein in dieser Gruppe Bedenken bezüglich des direkten Anschauens wie des Angeschaut-Werdens. Wir tasteten uns langsam ran, redeten, lachten, betrachteten unsere eigenen, zumeist nackten, Hände.

 

Katja: Das war für mich das absolute AHA. Wir wurden angeleitet, unsere Augen zu schließen, uns zu entspannen, usw. bla bla. Und dann unsere Augen wieder zu öffnen und unsre Hände zu betrachten. Sie sind nackt! Jawohl, die sind nackt. Aus der Perspektive hatte ich das noch nie gesehen und muss sofort an die Geishas denken, die ja auch mit dem Zeigen und verdecken ihrer Unterarme spielen, wenn sie Tee einschenken. 

 

Ich glaube irgendwann vor oder nach der nächsten Übung standen wir noch im Kreis und wer wollte konnte in die Mitte kommen und irgendwelche Bewegungen machen. Einfach so. Ein bisschen um dieses Angschautwerden auszuprobieren. Hab ich nicht gemacht. Ich mag diese Kreistanzdings auch überhaupt nicht. Brrrr.

 

Iris: Unsere erste so richtig interaktive Aufgabe war, uns im Raum zu bewegen, dabei nicht zu reden und unsere Gesichter ganz lange und genau zu betrachten.

 

Katja: Und zwar mit der Vorstellung, dass wir wie kleine Katzen sind, die alles einfach genau erkunden und betrachten. Das macht es irrsinnig leicht, jemanden näher zu kommen, weil der Blick ein ganz anderer ist. Plötzlich schaute ich mir Bartstoppel, Lippen, Falten, Poren aus einem ganz anderen Auge an und fühle mich, als würde sie zum ersten Mal sehen. 

 

Iris: Die Stimmung war sehr ausgelassen, ständig wurde irgendwo gekichert. Es war ja auch seltsam. Ich stand verschiedenen mir unbekannten Menschen gegenüber und betrachtete aufmerksam und aus nächster Nähe deren Gesichter. Ich merkte, dass ich Menschen kaum jemals so nahe bin ohne sie zu küssen und ich bemerkte auch, dass ich bei genauer Betrachtung alle Gesichter irgendwie richtig schön fand.  


Noch mehr sehen und gesehen werden...

Iris: Kaum flaute das Gekicher ein bisschen ab, wurde schon eine neue Schwierigkeitsstufe eingezogen. Wenn wir einer Person gegenüberstanden, könnten wir uns entscheiden irgendein Kleidungsstück auszuziehen und der jeweils anderen Person damit die explizite Erlaubnis zu erteilen sich den nun nackt gewordenen Körperteil genau anzusehen. Wir konnten aber auch entscheiden einfach nichts mehr zu entblößen, dann hat das Gegenüber immer noch die Option sich bereits nackte Körperteile wie Gesicht, Hände oder Hals genau anzuschauen.

 

Christopher Gottwald schuf dafür eine unglaublich respektvolle, wohlwollende Atmosphäre. Alles daran war so friedlich und freundlich, obwohl die Aufregung zumindest bei mir als beständiges Kribbeln spürbar war. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass es sich um einen geschützten Raum handelt und dass sämtliche meiner Körperteile nackt herzlich willkommen wären, dass ich aber auch bekleidet einen Platz hier haben konnte.

 

Angesichts der Tatsache, dass die Veranstaltung bei eisigen Außentemperaturen stattfand, trug ich Unmengen an Kleidung. Ich konnte mich also relativ freimütig entscheiden, zumindest einen Teil davon abzulegen, ohne mich tatsächlich besonders nackt zu fühlen. Meinen Schal für mein Gegenüber auszuziehen, war noch keine besonders schwierige Aufgabe, die Weste fiel mir auch nicht schwer.

 

Katja: Trotzdem war es auch bei Kleidungstücken wie langärmligen Pullis oder Schals spannend, sich die freiwerdenden Körperteile mal genau anzusehen. Abgesehen davon, war  ich da irgendwie nicht sooo Strip-Poker-vorteilhaft angezogen. Noch immer oder noch mehr machte ich mir Gedanken über diese Strumpfhose. Was würde ich zuerst ausziehen: Den Rock, den Rollkragenpulli oder die gemusterte Strumpfhose? Ich stellte mir verschiedene Kombinationen  mit der Speckrolle drinnen vor. Sollte ich vorher noch den Bund unter den Bauch rollen, oder doch drüber lassen bis am Brustansatz. Zudem machte sich das verzehrte Soja bemerkbar und ich blähte mich in Richtung 4. Schwangerschaftsmonat auf, was mein Problemchen nicht gerade schmälerte. Von den verkniffenen Blähungen rede ich mal gar nicht...

Wenn das Strumpfhosenthema jedenfalls behoben wäre, wär das sicher einfacher, dachte ich mir. Aber ich halte mich ja an Abläufe. Dass ich 2 Kleidungsstücke auf einmal ausziehen könnte, kam mir nicht in den Sinn. Und dass ich meine Beine schon seit mindestens 2 Monaten (Hallo Winter!) nicht mehr rasiert hatte, war mir auch relativ egal. Sie waren schließlich schon im kuscheligen Stadium. Aber diese Strumpfhose. Wie sollte ich das taktisch am besten angehen...?

 

Iris: Erstaunlicherweise merkte ich, dass ich es total genoss so genau angeschaut zu werden, dass ich mich richtig aufmerksam wahrgenommen fühlte. Wann immer ich etwas auszog, gab es so einen kleinen Adrenalinrush. Die Kommunikation funktionierte immer noch ohne zu sprechen, weshalb Blicke als Hauptkommunikationsmedium fungieren mussten. Ich schaute mir verschiedene Körperteile unglaublich genau an, viel zu lange für gesellschaftliche Normen, viel zu detailliert. Und ich merkte wie spannend das ist, wie sehr Körper mich eigentlich auch abseits von sexuellen Handlungen interessieren. Und wie unglaublich schön die sind.

 

Katja: Trotz meines  innerlichen Strumphosenkonflikts genoss ich diese langen intensiven Blicke, die ein dauerhaftes Kribbeln in mir auslösten. Ich fühlte mich total gestreichelt von ihnen, egal von wem sie stammten. Alter, Geschlecht, Körperbau spielten keinerlei Rolle. Und auch als die  Strumphosennaht dann schließlich sichtbar meinen Bauch teilte, war das in diesem Moment komplett egal. Die behaarten Beine ebenso. Jeder Körper der mir begegnete erschien mir wunderschön und ich konnte mir langsam vorstellen, wie das in so Kommunenorgien ablaufen konnte, dass mensch sich einfach fallen lässt und nur mehr Körper ist und alle Menschen "gleich" sind auf eine bestimmte Art und Weise. Je mehr ausgezogen wurden von jedem/r einzelnen, desto näher fühlte ich mich ihnen. Als würden wir alle gemeinsam eine Entdeckungsreise antreten und der Erleuchtung entgegenstreben.

 

Iris: Die Strumpfhose auszuziehen, war auch kein besonders großer Schritt. Mich meines Oberteils zu entledigen war schon deutlich schwieriger. „Hach“, sage ich beruhigend zu mir selbst,“ beim Baden hab ich auch nicht mehr an.“ Allerdings machte ich mir ja auch beim Baden Sorgen um die ausgeprägte Sichtbarkeit meiner Bauchpartie. Als versierte Feministin bin ich mittlerweile schon viel weniger unzufrieden damit und gedenke speziell mein Bauchfett ausreichend zu lieben, aber ganz ausblenden lassen sich lange gehegte body issues halt auch nicht, zumal unglaublich strenge Körpernormen allgegenwärtig sind.

Ich war beeindruckt von sämtlichen Menschen denen ich gegenüberstand. Wie unterschiedlich sie mit dem Ausziehen und dem Anschauen umgingen. Allesamt schauten sie interessiert, wohlwollend und respektvoll. Ich hatte nie das Gefühl wie ein Objekt angestarrt zu werden, aber immer das Gefühl mein Gegenüber interessiert sich für die nackten Körperteile und zwar sehr.

 

Irgendwann hatte ich nichts mehr an außer meinen BH. Ich schaute mich im Raum um. Jede Menge ziemlich nackter Menschen. So kitschig und seltsam das auch klingt, aber nackt erschienen sie mir alle plötzlich viel schöner als angezogen. Je nackter ich wurde desto seltsamer war es, jemandem nackt gegenüberzustehen und nur zu schauen. Es wurde immer noch viel gelacht, es aber auch viel geschaut und einige hatten mittlerweile richtig Spaß am Präsentieren und setzen die nackten Körperteile so richtig in Szene. Ich bin dann eher so eine die kichernd dasteht und wiederholt tief durchatmet.

 

Nur mehr der BH. Mein Gegenüber war ebenfalls nur mehr sehr leicht bekleidet. Beide trugen wir noch genau ein Kleidungsstück. Wir schauten uns ganz lange an. Wir atmeten beide durch. Wir lachten. Wir schauten wieder. Soll ich oder soll ich nicht? Plötzlich beugte er sich nach vorne, nuschelte verlegen„ Ach, scheiß drauf“ und zog die Hose runter. Ich fand mich total in ihm wieder. Wie er die Augen kurz zusammenkniff, dreimal tief durchatmete und dann relativ entspannt nackt dastand. Ich sah, dass das Überwindung gekostet hat. „Jetzt oder nie“, dachte ich mir. Und werf den BH von mir.

 

 

Katja: Nachdem die Strumpfhosenmisere behoben war, war auch schon alles wurscht. Mit pelzigen Beinen war ich auch nicht die einzige und ich fand es wahnsinnig spannend, mir diesen Flaum mal auf anderen Frauenbeinen aus der Nähe anzusehen. So richtig gucken zu dürfen. Und überhaupt all diese unterschiedlichen Körper, die unterschiedlichen Brüste, Bäuche, Hintern: So wunderschön! Auch eine paar, die dem aktuellen medialen Schönheitsideal entsprechen würden, fanden sich in unserer Runde. Es kam mir aber überhaupt nicht in den Sinn, mich mit ihnen zu vergleichen im Sinne von Bewertung. Alle waren wir einzigartig und wunderschön.

 

Als dann so gut wie alle nackt waren  - nur eine ist recht angezogen geblieben und auch das war voll okay - fanden wir uns im Kreis wieder. Christopher befragte uns, was uns nun schwerer gefallen sei, das angeschaut werden oder das anschauen. Bei den meisten hat sich das Urteil was für eine/n unangenehmer sei umgedreht. Wir waren alle ganz perplex über unsere Erfahrung und strahlten in die Runde. Zum Abschluss machten wir noch mal das Tanzdings, bei dem wer mag in die Mitte kommen kann und irgendwas vormacht was alle nachmachen. Das ganze nun in nackt war so unglaublich lustig, als plötzlich alle Brüste und Penisse total unrythmisch durch die Gegend hüpften. Wir mussten alle richtig laut lachen und hatten irgendwie eine kindliche Freude an unserem Nacktsein. Es war so ganz "natürlich" und von Erotik oder sexueller Anziehung konnte nicht die Rede sein. Wir waren einfach alle schön in unserer unterschiedlichen nackten Gestalt, hatten das erkannt und freuten uns daran. 

 

Prolog

Nachdem wir dann eh schon nackig waren, wagten Iris und ich uns auch gleich in den Nacktbereich im tropischen Garten. Auch nicht wirklich viel wärmer - vielleicht 20 Grad, und barfuß auf Erde im schummrigen Licht. Wir machten ein paar nette Bekanntschaften und redeten beim Heimgehen noch ein bisschen über diesen mind blowing - Abend und wie viel sympathischer uns die Leute nackt vorkamen, als mit diversen Kleidungsstücken, die halt immer auch ein gewisses Statement abbilden und durch eigene Vorurteile dazu verleiten, mit jemanden von vornherein erst gar kein Gespräch zu wagen. Scheinbar stimmt es doch: Nackt sind alle Menschen gleich.

 

Ich war jedenfalls so begeistert, dass ich - weil der Workshop am nächsten Abend wiederholt wurde - gleich meinen Partner hinschickte. Der war ebenfalls begeistert und wollte überhaupt fortan nur mehr nackig sein. :)

Und der Mann, der diese tollen Erfahrungen ermöglicht hat, hat natürlich auch noch was dazu zu sagen:

Hallo Iris, hallo Katja!

 

Danke für diesen wunderschönen Text, der ja eigentlich schon genau zeigt, worum es mir geht: zu entdecken, was passiert, wenn wir aufhören uns und andere zu bewerten und in hübsch und hässlich einzuteilen. Ich behaupte, dass das eine ganz einfache Entscheidung im Kopf ist. Gucke ich im Bewertungsmodus oder im Neugiermodus?

 

Das kannst du sofort ausprobieren:

  • Nimm irgendeinen Gegenstand. Sieh ihn dir an mit der Haltung: Ist er gut oder schlecht? Schön oder hässlich? Nützlich oder nutzlos? Brauchst du ihn noch oder schmeißt du ihn weg?
  • Und nun entscheide dich für Neugier. Betrachte den Gegenstand neugierig wie ein Kind. Ertaste ihn, riech an ihm... Hat er Unregelmäßigkeiten? Sieh dir jeden Flecken oder Kratzer ganz genau an! Was löst das in dir aus? Wie fühlst du dich dabei?

 

Neugier ist ein wunderbares Mittel, um Lebendigkeit zu fühlen und die Welt zu entdecken – so lange wir neugierig sind, bewerten wir nicht und haben nicht abgeschlossen mit Wahrnehmen, Entdecken und offen sein. Sobald wir bewerten, sinkt das Interesse und wir haben eine Sache oder einen Menschen festgelegt.

 

Neugier macht glücklich! Und schafft Verbundenheit zwischen Menschen! Ist es nicht unglaublich, dass wir bei diesem Workshop in weniger als einer Stunde wildfremden Menschen nackt gegenüber standen, uns haben betrachten lassen und dabei noch wohl und sicher gefühlt haben?

 

Ich fand es immer seltsam, dass wir nackt auf die Welt kommen und dann zieht man uns sofort was an und den Rest des Lebens bleibt es so, abgesehen von wenigen Momenten beim Duschen oder Sex haben. Wir müssen sogar mit einer Strafe rechnen, wenn wir irgendwo nackt herumlaufen. Hallo! Das ist meine Natur!!!

 

Und dann gibt es noch die Menschen die an den FKK-Strand gehen oder in die Sauna. Dort ist es allerdings schwer verpönt zu gucken. Das heißt, wir sehen also äußerst selten andere Nackideis.

Das hat auch zur Folge, dass wir wenig Möglichkeiten für einen Realitätscheck haben,

wenn uns unser Penis zu klein oder die Venuslippen (deswegen heißen sie wohl normalerweise „Schamlippen“) zu groß vorkommen.

 In pornografischen Darstellungen ist alles hübsch retouchiert, sodass „Labioplastik“ (Schamlippenverkleinerung) inzwischen zu einer der häufigsten Schönheitsoperationen gehört! Statt für so etwas viel Geld auszugeben müssten wir uns nur ausziehen und uns voller Neugier betrachten - dann sind wir schön!

 

Worum es mir aber vor allem geht ist die Verbundenheit zwischen uns Menschen. Immer wenn wir uns verletzlich machen, wenn wir unser Inneres oder Äußeres bewusst zeigen, damit angenommen werden und die anderen so annehmen, wie sie sind, entsteht Verbundenheit. Dann spüren wir Vertrauen, Freude am Leben und Liebe! Darum geht es mir in allen meinen Veranstaltungen, ob es uns nun um Nacktheit, Tanz oder Beziehungen geht.

 

Danke für Christopher für diese wunderbare Erfahrung!!

Christopher Gottwald (45, Schauspieler, Regisseur, Contact-Improvisationstänzer, Sexological Bodyworker hält in Berlin und anderen deutschsprachigen Städten Vorträge und Workshops zu Polyamorie, Intimität und Sexualität, Veranstalter von „Polrunde“, „Liebe tanzen“, „free jam“ u.v.m.)

 

 

www.christopher-gottwald.de


So. Und wie geht's euch mit dem Thema Nacktheit?


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© Iris Forstenlechner, Irgendwas mit Sex und Tantra
Sexworkshop © Iris Forstenlechner