Sexspielzeug aus Fahrradteilen selber machen

Irgendwann landen wir doch alle in einem Sexshop und überlegen uns, was von den Teilen wir nun wirklich gebrauchen könnten, was irgendwie eklig ist, und was wenig verfänglich aussieht, wenn es Kinder finden. Trotz riesiger Auswahl, sieht trotzdem irgendwie alles gleich aus und die Liebe auf den ersten Blick muss frau sich erst erarbeiten. Anders bei den Workshops von bikesexual. Schon 2012 hatte ich Gelegenheit bei der wunderbaren Rheta am Grazer Ladyfest so einen Workshop zu besuchen, bei dem frau Sexspielzeug aus Fahrradteilen bastelt. Macht nicht nur Spaß, kommt nicht nur was Nützliches raus - nein! - auch jegliche Ängste oder Glaubenssätze in Bezug auf Werkzeug werden abgebaut.

Sexspielzeug aus Fahrradteilen, bikesexual © Krachbumm - Katja Grach

Plädoyer für das erotische Potenzial von Fahrrädern

In einem Interview in den an.schlägen sagt Rheta von bikesexual über ihre Arbeit (ich übersetze das jetzt mal frei auf deutsch):

 

“Fahradfahren ist ein Symbol und eine Praxis von Unabhängigkeit. [...] Der antifeministische Macho-Hetero-Porno, der mit der Unterdrückung von Frauen spielt, nutzt dafür Autos - je größer, je lauter, desto besser. Diese Fahrzeuge sind Symbole von Macht, die ich überhaupt nicht erotisch finde.  [...] Stell dir mal vor, wie können zwei AutofahrerInnen miteinander in Beziehung treten - wie viel Raum ist da dazwischen, welche Möglichkeiten gibt es? Das beste was sie machen können ist, sich voneinander fern halten und von allem anderen. Aber wie ist das mit FahrradfahrerInnen? Man kann zusammen radfahren, quatschen, eine Pause machen - wo auch immer und wann immer man möchte. Distanz und Nähe: Es ist alles möglich - wie beim Tanzen."

 

Na gut, dann näheren wir uns mal an.

 

Wo frau Sexspielzeug bastelt. Tatort: Ladyfest

Ladyfeste sind Orte der Begegnung - und zwar sehr spannende. Sie werden mehr oder weniger im "Untergrund" organisiert, mittlerweile zwar auch über Social Media beworben, aber riesige Plakate sucht mensch vergebens. Das soll auch so sein. Schließlich sind sie weit entfernt von Mainstream. Ladyfeste sind die Enkelinnen der Riot Grrrls, die in den 90er Jahren die Musikszene in den USA ziemlich aufmischten und die den nachfolgenden Girlie Hype samt Spice Girls und Co. inspirierten. Riot Grrrls haben flächendeckend DocMartens mit Blumenkleidchen kombiniert, auf Bühnen laut gebrüllt und waren ziemlich politisch. Ins Moshpit durften nur Mädels, mit den Fans wurden gemeinsame Workshops abgehalten, bei denen Themen wie sexueller Missbrauch und Inzest heftig diskutiert wurden, und informiert haben sie sich gegenseitig über selbstgemachte "Zines". Ziel: Eine Revolution. Eine Girl Revolution. (Hier könnte ihr mehr über die Riot Grrrls und Kurt Cobain nachlesen.)

 

Vieles hat sich seither verändert, die Riot Grrrls sind älter geworden und mittlerweile verbreiten sich Jahr für Jahr Ladyfeste über den Globus in allen größeren Städten. Meistens dauern die Ladyfeste zwei oder drei Tage, an denen Konzerte und spannende Workshops stattfinden. Als ich 2012 dabei war standen auf dem Programm:

  • Creating a Zine
  • Ubuntu, das alternative Betriebssystem
  • Sex Toys Workshop
  • Bodyart
  • Geschenkökonomie
  • Diskussion über den Film und das Sommercamp "Schlampenau"

Ich war damals bei mehreren Workshops und Konzerten dabei - nicht alles war "gut" besucht, aber jedes Mal sehr inspirierend und aufwühlend. Die wunderbare Sookee durfte ich ebenfalls kennenlernen. 

Ein Fahrradschlauch, eine Kette - und schon fertig

Spätestens seit Fifty Shades of Grey ist BDSM im Mainstream angekommen. Und die Handschellen mit Plüschversatz waren auch vorher schon bei vielen im Nachtkästchen zu finden. Bikesexual trifft hier definitv den Zahn der Hetero-Zeit (anderswo nix mehr Neues), denn die liebe Rheta zeigt vor, wie frau ganz einfach Handschellen, verschiedene Peitschen und sogar ein Harness aus alten Fahrradteilen selber basteln kann. Natürlich sind wir erst mal skeptisch. Fahrradteile sind nicht gerade klinisch sauber oder sexy (oder?) und wie soll das eigentlich genau funktionieren?

1. Schritt: Waschen

Bevor wir irgendetwas nieten, müssen wir die alten Fahrradschläuche und Fahrradketten mit einer Lauge auswaschen. In den Schläuchen ist meist eine Art weißes Pulver drinnen, das erst mal raus muss. Egal ob Handschellen, Peitschen oder Harness: Fahrradschläuche sind unser wichtigstes Grundmaterial. Wer also einen Platten hat: Nicht wegschmeißen! Wenn der Schlauch noch eine andre Farbe hat als Schwarz: Unbedingt aufheben.

Nach dem Waschen und Trocknen geht es weiter ans Schneiden und Nieten.

2. Schritt: Zuschneiden, Materialien herrichten

Wer eine Peitsche bastelt, muss nun den Schlauch aufschneiden und mit dem Stanleymesser gleich lange Striemen schneiden. Für Handschellen werden einfach kurze Schlauchteile geschnitten. Und fürs Harness muss einfach ein bisschen mit verschieden langen Schlauchteilen probiert werden. Aber mit den Schnallen in Kombination kann frau ja einfach später noch nachbessern.

 

Für die Peitschen werden dann auch noch Speichen bereitgestellt (damit der Griff schön fest wird), für alles andere braucht frau die kleinen Teile aus der Fahrradkette. Mit Lochzange, Gripzange usw. aber alles kein Problem.

3. Schritt: Zusammenbauen

Es ist zwar schon ein Weilchen her, aber ich glaube, ich könnte heute noch alle Teile zusammenbauen. Es geht wirklich denkbar einfach. - Wir waren alle so begeistert und schnell, dass wir gleich mehrere "Projekte" in Angriff nahmen - einfach, weil es so viel Spaß gemacht hat. Im Basteln war ich immer gut, aber es gibt so Werkzeugarten, vor denen hatte ich bis dato immer etwas "Respekt".

 

 

Irgendwie war da immer dieses Gefühl, das ist nix für mich, weil, ja weil ich halt ein Mädchen bin. Was, wenn ich mich blöd anstelle? Was, wenn ich mich blamiere? Wie soll ich die Dinger überhaupt angreifen? Und dann auch noch Teile von einem Fahrrad. Das ist ja praktisch wie ein Auto, also was Mechanisches. Irgendwie total männlich besetzt. Aber he, Laubsägearbeiten für Herbstdekoration  gar keine Berührungsängste...Schon sehr schräg.

 

Wie auch immer: Die Kombination Sexspielzeug und Fahrradteile hat mich neugierig gemacht und so hab ich meine Scheu im Kreis von lauter jungen Frauen, die ebenfalls keine Ahnung hatten im Nu überwunden. Relativ schnell hab ich eine Liebe zu Loch- und Gripzangen entwickelt und dermaßen ein Tempo hingelegt, sodass ich locker in Massenproduktion hätte gehen können.

 

Die Endprodukte können sich jedenfalls sehen lassen und stehen "herkömmlichen" Produkten um nichts nach. Rheta hatte auch noch einen Stempel dabei, mit dem wir unsere Werke noch "bikesexual"-gerecht branden konnten.

Was ich gelernt hab...

Das absolut Beste am bikesexual-Workshop war für mich, meine "natürliche" Scheu vor bestimmten "Männer"-Werkzeugen zu verlieren. Hierzulande finden jedes Jahr Girls Days statt, um mehr Mädchen in die Technik zu bringen. Würde das Basteln von Sexspielzeug mit Fahrradteilen am Programm stehen, ich wette die Neugier und der Zulauf wären riesengroß und der Empowerment-Effekt ebenso. Mit den Teilen lässt sich übrigens auch Schmuck machen. Rheta hat auf Flickr eine Gallerie ihrer Werke zusammengestellt. Auf daWanda kann frau sogar ein paar Ohrringe aus Fahrradteilen kaufen.

 

Derzeit gibt es keine aktuellen Termine auf dem bikesexual-Blog, aber auf facebook ließ Rheta kürzlich verlautbaren, dass wieder neue Workshops anstehen. 

 

Wer Sexspielzeug aus Fahrradteilen bastelt, hat also am Ende nicht nur etwas kostengünstiges und fair produziertes zum Spielen, sondern lernt auch noch handwerklich und in Punkto Selbstbewusstsein einiges dazu.

Sexspielzeug aus Fahrradteilen

Habt ihr schon mal Sexspielzeug selbst gebastelt? Würdet ihr dafür "unbekanntes" Werkzeug in die Hand nehmen?


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