Who do I want to be in this situation? - Rückblick 2017

Hier ist lange nichts mehr Neues reingetrudelt, weil ich sehr mit mir beschäftigt war. Das klingt ein bisschen wie ein Tagebucheintrag, bei dem sich eine*r entschuldigt, dass so lange nichts mehr geschrieben wurde...hab ich zumindest als Kind gemacht ;-)

 

However. Wie ihr an meiner "Über mich"-Seite sehen könnt, hat sich war getan. Mama-Wohnung und Papa-Wohnung und so. Das erwähne ich, weil nicht nur das Private sowieso politisch ist, sondern weil es mir hier auf dem Blog vermehrt um Sichtbarkeit und Solidarität gehen wird - unter anderem in Bezug auf Eltern mit psychischen Belastungen und Erkrankungen. Also noch immer Tabuthemen, aber noch ein bisschen tiefer rein. Bestärkt darin hat mich ein Blogpost über Carrie Fishers Buch "Wishful Drinking" und Bloggerin Kiddo The Kid, die keinen Bock mehr hat auf ein Doppelleben.

 

Und der Rückblick? Wird kunterbunt. Ich lasse euch einfach mal teilhaben an meinen Learnings von 2017 und vielleicht ist ja das eine oder andere für euch auch dabei :)

Was ich 2017 gelernt habe

Um Hilfe bitten - Arbeiten delegieren

Oh Mensch, ich wollte so gar nicht auch nur irgendwas in der neuen Wohnung selbst montieren. Dafür hatte ich echt keinen Geist. Umgezogen bin ich ohnehin schon Ende des Vorjahres, aber allein in der ersten Januarwoche 2017 musste an jedem Tag ein anderer Gast an den Schlagbohrer ran. Durch Zufall bin ich dann an ein Hochbett gekommen, dass wir wegen einer schiefen Wand noch anpassen mussten und als es mir irgendwann ganz zu blöd war, lernte ich auch mit Stichsäge und Akkuschrauber umzugehen und die richtigen Schrauben zu kaufen. Because I can.

 

Wie sich Alleinerziehendsein anfühlt und wie Elternschaft auf Augenhöhe gelingen kann

2017 probierten wir vieles aus. Alleinerziehendsein war eigentlich nicht der Plan, aber aufgrund von Mondpapa-Phasen ging es manchmal nicht anders. Das war so richtig hart mit diesem Trennungsschmerz, und den vielen offenen Fragen umzugehen. Schließlich und endlich ging es aber dann doch bergauf und mittlerweile sind wir bei annähernd Halbe/Halbe gelandet. Für unser Kind funktioniert es so am besten und es genießt die exklusive Zeit mit Mama oder Papa. Wir mittlerweile auch. Denn streckenweise komplett alleine für alles zuständig zu sein ohne Rückzugsmöglichkeit bei all den anderen Dingen, die in uns schlummerten, war ziemlich heftig. Ist es manchmal noch immer, aber die Zeiten dazwischen dienen zumindest der Erholung, Freizeit und Beziehungspflege. Elternschaft und Liebesleben auseinander zu halten, hat sich als absolut praktikabel erwiesen. Da geh ich mit dem Modell des Co-Parenting von Jochen König ganz d'accord.

 

Wenn ich es mir ganz doll vorstelle, dann wird es auch wahr

 

Selbsterfüllende Prophezeihung eben. Und so habe ich doch tatsächlich 2017 mit viel Blut, Schweiß und Tränen ein Buch geschrieben (die Korrekturfahne liegt noch vor mir, oh Gott...*heul*), und bin ohne Kind eine Woche im Sommer nach Island gefahren. Natürlich, das war nicht nur eitel Wonne und Sonnenschein (auch wenn es 18° hatte), weil ich so stark dissozierte, dass wandern echt nicht drin war. Aber hey, dafür hab ich ein Festival besucht und so unglaublich tolle Menschen kennen gelernt und die Musik, omg, die Musik.

 

Kontrollverlust, hurra, die Gams

 

Mit einer Freundin legte ich "amazing" als unser Jahresmotto fest, gleichzeitig wünschte ich mir auch mehr Kontrolle abzugeben und gelassener zu sein. Konkret hieß das Entschleunigung, Mut und Vertrauen. Puh, ganz schön schwer. Vor allem hieß es auch, mich allen Flashbacks, die da kamen (Hallo Geburtserlebnis, du auch noch hier?) zu stellen und Emotionen auch mal auszuhalten. War verdammt anstrengend, wird es vermutlich auch noch eine Weile sein, aber dafür kann ich mittlerweile die Mutter sein, die ich sein möchte, und meinem Kind den Raum fürs Kindsein zu geben, den es braucht. Dabei hat sich auch herausgestellt, wie wenig uns in der Familie "typische" Erziehungsfragen beschäftigen. Bei einem Eltern-Podcast, für den ich interviewt wurde, irritierte mich das total. Wenn uns etwas beschäftigt, dann ist es die Fähigkeit unseres Kindes seine Gefühle zu benennen seine Grenzen zu wahren. Tja. Der eigene Rucksack an Fähigkeiten und Unterstützungssystemen ist jedenfalls ordentlich angewachsen - und das ist gut so.

 

Das nix passiert, wenn ich was absage

 

Einfach so. Das war's auch schon. Das "Nein", über das ich mir oft tagelang den Kopf zerbrochen hab, mündete ausgesprochen einfach in ein "Okay".

 

Meinen Körper fühlen

Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen, aber vor meiner ersten EMDR-Sitzung hatte ich mich vergleichsweise wie ein wabbeliger Barbapapa gefühlt. Und dann auf einmal war da ein Körper, der genauso groß war wie ich, in den ich komplett reinpasste. Dessen Grenzen ich spüren konnte. Wow. Einfach nur wow. Überhaupt die ganze Palette mit Angst, Wut, Trauer, Schmerz mal spüren. Nichts davon ist angenehm, aber hey, dafür kam auch die Nähe und das Vertrauen und die Liebe ;-) <3

 

 

 

Wer ich sein will

 

Ich liebe Elizabeth Gilbert, die Frau, die "Eat. Pray. Love" geschrieben hat. Nicht wegen dem Buch, sondern wegen ihrer Persönlichkeit. Big Magic von ihr kann ich übrigens empfehlen. Wie auch immer, hatte sie auf ihrer Facebook-Pinwand eines Tages den Spruch "Who do you want to be in this situation?". Damals wurde gerade Trump Präsident in den USA. Bei mir klebte dieser Spruch ziemlich lange auf der Wand, sodass ich ihn jeden Tag sehen musste. Die Frage hat mich in so vielen kleinen und großen Momenten begleitet. Später hing dann "Ich will bitte Harmonie" auf der Wand, ein Teil einer Zeitungsheadline. Es war eine unglaubliche Überwindung, aus dieser Schlagzeile das Wort "keine" (Ich will bitte keine Harmonie) herauszuschneiden. An das harmonische entschleunigte Leben musste und muss ich mich erst noch gewöhnen. Das Hinterfragen und Misstraurisch-Sein, bleibt noch nicht ganz aus. 

 

 

Mich feiern lassen

2017 habe ich das erste Mal seit vielen vielen Jahren meinen Geburtstag so richtig gefeiert und noch dazu meine Wohnung zur Partyzone erklärt. Überhaupt gab es viel Besuch, wurde viel getanzt, gekocht und gemeinsam gegessen und das Leben genossen. Punktuell eben. Mit Co-Parenting geht das schon mal viel leichter, als mit der ganzen Familie unter einem Dach. Aber auch sonst sprangen Babysitterinnen und Freundinnen ein, wenn mir die Decke auf den Kopf zu fallen drohte, bzw. versuchte ich dem durch regelmäßige auswärtige Tanzeinlagen vorzubeugen. Irgendwo muss die Energie ja hin. - Mitte des Jahres fiel es mir noch ziemlich schwer zu formulieren, was denn eigentlich meine Bedürfnisse seien. Es war, als könnte ich diesen Satz nicht einmal inhaltlich verstehen. Mittlerweile geht das wesentlich leichter. Nur manchmal, wenn ich so gar nicht hinhöre, bekomme ich auf wundersame Weise körperliche Symptome, die mich dann ziemlich brutal zwingen hinzuschauen. Die Psychosomatik und ich sind eben alte Kumpels.

 

Hörens- und lesenswert

Im Rahmen einer Weiterbildung durfte ich 2017 Esther Perel (via youtube) und Alain de Botton (via Buch) kennen lernen und ich kann beide nur empfehlen: Lest und schaut und überhaupt!

Es ist grauslig, aber fesselnd: Dieses Jahr hab ich erstmals seit ewigen Zeiten wieder Krimis gelesen und zwar die Totenfrau-Trilogie von Bernd Aichner.

 

Immer wieder fündig wurde ich auch bei Ohhhmhhh.de. Ich mag einfach Stefanie Luxats Humor. In den letzten Monaten habe ich ihren Blog wieder mehr verfolgt und dabei bin ich auf folgende Großartigkeiten gestoßen:

 Und gerade irgendwo entdeckt und schon wieder entfleucht in die Unweite des Internet:

 

"Freedom is being you without anyone's permission."

 

Ungefähr in dieser Art lief übrigens auch die Kampagne #unaufgeregt von liebenslust (Verein, bei dem ich arbeite) im Frühjahr 2017 ab, nachdem wir ziemlich staunten, welche mediale Welle auf uns zugerollt kam. Wir haben nicht aufgehört, das zu tun, woran wir glauben. Es hat uns nur noch mehr bestärkt.

Music, is where my heart is

Jede Gelegenheit, die sich mir 2017 bot, nutzte ich, um bis zum Umfallen zu tanzen. Sogar am 23.12. noch :) In Graz gibt es einfach wunderbare Straßenfeste mit echt guter und vielfältiger Mucke, tolle Bands und so wunderbare Aktionen wie die Morgendisco, die im Sommer jeden Montag um 8 Uhr (bis 9 Uhr) in einem Park stattfand. Dabei wirbelten wir gemäß dem Motto "Tanzen unter Pflanzen" einfach in die Woche. Meistens musste ich dann nochmal duschen vorm Arbeiten... :D

 

Aber auch sonst trieb es mich auf wunderbare Konzerte  wie Bilderbuch (<3, zum zweiten Mal), The XXLeyya (zum zweiten und dritten Mal <3 <3), Arcade Fire, OK Kid, Gudrun von Laxenburg (<3 <3 <3), meine Jugendhelden "Heinz aus Wien" (<3 <3 <3 <3), bei denen ich mir die Seele aus dem Leib geschrien hab vor lauter enthusiastisch Mitsingen.

Neu und schwer verliebt hab ich mich live auch in Ankathie Koi, Mavie Phoenix, Shaban & Käptn Peng & die Tentakel von Delphi, und die wunderbaren isländischen Musiker*innen aYia, alvia islandia, dadi freyr/ mixophrygian, die ich am innipukin-Festival in Reykjavik live gesehen hab. Noch viel mehr neu entdeckte isländische Musik aller Genres sind in dieser Playlist gesammelt.

 

So, und jetzt endlich ab ins Bett. Denn dieses Silvester wird gefeiert. Ordentlich :) Muah 2017, hello 2018!

 

PS: Ich freu mich schon wieder aufs regelmäßigere Bloggen :) Und erzählt mir doch, wie es euch ergangen ist in diesem Jahr.