Weil Aufwachen das Schönste ist

Lange hab ich überlegt, ob ich hier mal so ganz aktuelle Artikel schreibe. Aber jetzt ist da diese Familienbett-Debatte bei Stadt-Land-Mama und ein Kommentar, den ich wo anders dazu schreiben wollte ist dann plötzlich per Bestätigung-Mausklick verschwunden. Und ich so arrrrgh... Ihr kennt das vielleicht... Also hier mal kein Artikel mit generellen Pro und Contras, sondern einfach was mir bislang in der Diskussion fehlte: der IST-Zustand (nicht der Warum-Zustand). Ganz ohne irgendwelche wissenschaftlichen Belege, sondern einfach nur das Schöne.


© Chloe Trayhurn - Weil Aufwachen das Schönste ist - Familienbett

Ich verfolge schon länger Geborgen Wachsen und lernte dadurch erstmals den Begriff Attachment Parenting kennen. Eigentlich hätte ich mich nicht so unter dieses Label gestellt, aber wenn's jemand genau nimmt, dann haben wir viel getragen und tun es noch, wickeln mit Stoffwindeln, haben breifrei gegessen, gestillt und ja auch Familienbett und so. Und mir gefällt Susannes Definition von bindungsorientierter Elternschaft ganz gut, ich fühl mich wohl damit. Was ich aber nicht teile, ist das Gefühl, mich vom Stadt-Land-Mama-Artikel angegriffen zu werden. Einiges hab ich sogar überlesen (von wegen Familienbett als Ausrede für keinen Sex, äham..naja). 

 

Eigentlich möchte ich hier nicht drüber schreiben, dass das Familienbett sooo toll ist und es alle so machen müssen - und bei allen, bei denen die Kinder nur schlecht durchschlafen ist es vermutlich auch nicht sooo toll, aber etwas fehlt mir in dieser Diskussion ganz oft, nämlich die Situation, wie ich ganz persönlich unser Familienbett empfinde (obwohl es streng genommen gar keins ist). Und mir nicht so recht ein Argument einfallen will, warum ich DAS aufgeben sollte/wollte. 

Ich bin gesegnet...

mit einem Kind, das fast von Beginn an durch geschlafen hat. (Ja, bewerft mich jetzt einfach mit Babybrei). Anfangs ging es für uns gefühlt gemeinsam um 23 Uhr ins Bett (also letztes Mal stillen) und um 4 oder 5 Uhr kam der kleine Zwerg wieder mit Hunger. Dann wieder so um 7 Uhr und dann alle 1,5 Stunden. Sämtliche Versuche diesen 1,5 Stunden-Rhythmus nicht einzuhalten sondern auszudehnen, sind gescheitert, aber dafür war nachts eigentlich immer Schlaf angesagt. Die Zeit weitete sich auch schnell aus. Der Kleine schlief zwischen uns im Bett, später dann im Beistellbett ohne Gitter zwischen uns (da war er noch nicht so mobil). Ich hab nicht lange überlegt, warum und wieso Familienbett, ich war schlichtweg zu faul, nachts aufzustehen. Damit ich nicht die einzige war, die nachts wegen dem Stillen wach wurde, musste dann auch mein Partner raus und den Zwerg wickeln, bzw. alle Utensilien dafür holen bzw. die vollen Windeln wieder wegtragen. Mit gehangen, mit gefangen so zusagen. Danach pennten alle wieder recht schnell ein. Bevor der kleine Zwerg aufwachte und Essen wollte, war ich meistens auch schon eine Minute vorher wach. Es lief echt alles wie geschmiert. Großes Glück, große Dankbarkeit. Ich hab ehrlich keine Ahnung, wie sich Schlafentzug wirklich anfühlt und ziehe meinen Hut vor allen Eltern, die das durchmachen. 

Wenn er so gut schläft, könnte er ja von Anfang an alleine schlafen?

Also da ist ja jede/r anders, aber ich schlafe 90% der Zeit irgendwo zwischen Achsel und Brust oder sonst irgendwie drangeschmiegt an meinen Partner ein. Und das seit Jahren. Ein Polster ist seit langem absolut überflüssig. Wenn ihr jetzt vor lauter Romantik kotzen müsst, ist das völlig in Ordnung. Ehrlicherweise ist es nicht immer die Verliebtheit, die mich dazu treibt. Er hat auch eine höhere Körpertemperatur als ich - generell. Ich bin da irgendwo bei Reptilien und erstarre leicht mal zu Eis. Er glüht einfach schön. Daran kann sich eine gut wärmen.  (In der Schwangerschaft wurde mir davon allerdings schlecht... Ok, ich komm vom Thema ab.) Auch das finde ich schön. Jetzt meine Frage an mich: Warum soll sich mein Baby, das mich jeden Tag selbstverständlich 100%ig liebt, nicht an mich kuscheln wollen? Ich dachte da immer irgendwie an die Logik von Säugetieren (oder hab ich das mal bei Renz-Polster gelesen?), dass es irgendwie Sinn macht, wenn Junge bei den Eltern/der Mutter liegen. 

 

Seit der Kleine allerdings mobiler geworden ist, zeigt er uns das auch gerne mal und dreht sich wie die Zeiger einer Uhr herum. Zudem liebt er einfach Füße seit Anbeginn und kuschelt mit unseren wahnsinnig gerne. Zwischendurch hat er auch reingebissen, aber momentan sind wir wieder bei Küssen. Der Geruch hält ihn offensichtlich nicht ab. Jedenfalls fürs gemeinsame Schlafen ist das sicherheitstechnisch doch etwas ungünstig. Darum schläft er manchmal bei uns ein und wandert dann ins Beistell/Gitterbett, und meistens aber gleich nach dem gemeinsamen Einschlaf-Ritual. Dann halten wir noch seine Hand, streicheln ihm den Rücken oder Bauch, oder er bettet auch liebend gern seine Wange in meine Hand (oder die vom Papa). Ja, manchmal schläft mir dabei auch der Arm ein. Und manchmal denk ich mir, ach jetzt schlaf doch endlich! Aber generell find ich's wunderschön. 

Nachts...

Manchmal träumt er schlecht und schluchzt dann, manchmal verliert er seinen Schnuller und weint dann auf, und manchmal kackt er auch einfach und es stinkt unglaublich. In allen Fällen können wir gleich darauf reagieren, ihn trösten und ihn zu uns ins Bett legen, den Schnuller suchen und zurückgeben und ihn einfach ohne, dass er großartig aufwacht, wickeln. Momentan pinkelt er nachts auch wie ein Weltmeister und ich muss ihn oft 2 - 3 mal Wickeln oder überhaupt das Bett neu überziehen etc. Wenn ich nachts mal aufwache, greif ich einfach rüber und schaue, ob alles im Trockenen ist. 

 

Mittlerweile ist er 1,5 Jahre alt. Unserem Sexleben hat diese erweiterte Familienbett-Variante (unser Bett ist einfach zu klein auf Dauer für 3 Menschen) nicht wirklich geschadet. Unserem Schlaf auch nicht (auch wenn er nicht wirklich wach ist in der Nacht, aber Schnuller und Co kommen doch manchmal vor und ich bin echt zu faul, um da in ein anderes Zimmer zu watscheln und in unbequemer Haltung Händchen zu halten).


Bevor wir schlafen gehen, schauen wir ihn meistens nochmal ganz genau an, bestätigen uns darin, was er doch für ein Engel ist, wie groß er doch schon geworden ist und sind dann ganz verliebt in ihn. Manchmal lacht er dann auch im Schlaf und manchmal pupst er dann ganz laut und wir müssen herzlich lachen. 

Und morgens...

Dieser kleine Mensch wacht neben uns auf und ist top gelaunt. Er brabbelt mit uns, lacht uns an und freut sich auf einen neuen Tag. Und wir sind meistens von der ersten Sekunde an mit dabei. Dann hebe ich ihn aus seinem Bett zu uns rein und wir kuscheln weiter. Unter der Woche weniger lang, aber am Wochenende sehr lange. Oft schlafen wir dann nochmal gemeinsam ein. Wenn er dann zwischen uns liegt, dreht er sich wechselweise mit dem Rücken zu mir oder zum Papa und schmiegt sich ganz fest an uns. Den jeweils anderen streichelt er dann oft mit seiner kleinen Hand im Gesicht oder das Haar. Wenn er gut ausgeschlafen ist, kann es schon sein, dass er Lust auf Raufen und Kitzeln hat und wirft sich mit demenstprechendem Laut auf uns. Manchmal trommelt er ein wenig auf meinem Bauch, weils so lustig wackelt. Manchmal streicht er über meine Brust und zeigt auf ein größeres Muttermal, das ich am Brustansatz habe und bespricht es eingehend mit mir. Und dann wieder kuschelt er sich an unsere Gesichter, küsst uns, schmiegt sich an unsere Beine und Füße. 

Ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, dass es ganz genauso wäre, würde er im Kinderzimmer schlafen und ich ihn morgens holen. Kann gut sein bei anderen. Ich möchte das niemandem absprechen, aber bei uns ist Familienbett bzw. bei uns schlafen so und ich wüsste nicht, warum ich diesen wunderschönen Zustand momentan beenden sollte. Zudem sind wir tagsüber alle drei außer Haus und sehen uns ohnehin nicht so viele Stunden. Da möchte ich mein Kind noch mal weniger irgendwo anders außer ganz in meiner Nähe wissen. 

Und das Kinderzimmer?

Mit der Hausgeburt, die in seinem Zimmer stattgefunden hätte, hat es ja leider nicht geklappt. Vielleicht hat sich das Zimmer deshalb etwas gewandelt und hieß zwischenzeitlich mal "J.'s Büro". Ich hab einen Schreibtisch reingestellt und dort meine Masterarbeit geschrieben. Ein Flipchart-Ständer war auch lange drinnen, ist mit dem Krabbelalter aber verschwunden. Im Einbauschrank ist seine Kleidung zu finden, und es gibt einen großen gemütlichen Kinderteppich. Eine Matratze liegt auch im Zimmer. Während der Karenz hat er dort oft sein Mittagsschläfchen gemacht. Früher gab's auch noch eine Babyhängematte. Am Wochenende schläft er momentan mittags meistens auf der Couch. 

 

Aktuell ist das Kinderzimmer eine Rumpelkammer aus Dingen, die in den Keller geräumt werden sollten, Dingen, die verscherbelt werden sollten und Wäscheständern. Trotzdem hat sich das Lego von Weihnachten mittlerweile dort eingeschlichen und ein Schaukelpferd. Beides wird gerne genutzt. Die meiste Zeit gemeinsam verbringen wir aber im großen Wohnraum, wo er auch meistens spielt. Spielzeug haben wir nicht wirklich viel. Abgesehen vom Lauflernwagen, mit dem er durch die Wohnung saust und einem großen Spielwürfel lässt sich sonst alles in einer großen Wohnzimmerlade verstauen. Das Kinderzimmer wird also irgendwie nicht dringend benötigt. Ohnehin findet er meist was anderes spannender und versucht sich so wie gestern Abend zB in ein Postpaket zu zwängen. 

 

Vor dieser Wohnung haben mein Lebensgefährte und ich mal ein Jahr in einem WG-Zimmer gemeinsam gewohnt (auf 28m²), und dabei gelernt uns gegenseitig zu ignorieren, oder schöner gesagt: sich jede/r für sich den Raum zu nehmen, ohne ständig den Fokus auf den/die andere/n zu legen. Um Raum für mich zu beanspruchen oder mich abzugrenzen, brauche ich persönlich nicht immer ein Zimmer für mich allein. Oft reicht auch einfach mal Ruhe. Ist mir schon klar, dass das nicht für alle klappt. Muss es auch nicht. Aber ich wollte damit nur ausdrücken, dass ich mich in keinster Weise von meinem Kind nachts vereinnahmt fühle. Das ist sicher nicht bei allen so - wahrscheinlich bei den schlecht schlafenden Kindern gar nicht - aber bei uns halt. Macht ja auch sichtbarer, wie individuell das Ganze ist. 

 

Teile der Weihnachtsferien haben wir auswärts bei den Schwiegereltern verbracht und dabei sogar mal zu dritt in einem 1-Personen-Bett geschlafen. Gut, das zweite Bett war eng angestellt. Aber im Prinzip hat der Platz gereicht. Hat uns selbst gewundert. Es war unsere letzte Nacht und wir hatten das Reisegitterbett schon abgebaut. Wie eine kleine Herde kuschelten wir drei uns ganz eng aneinander und es sah wirklich wie auf einem Werbefoto aus. (Zu anderen Gelegenheiten hatte er sich auch schon mal aufs Gesicht vom Papa gesetzt, um bei der Realität zu bleiben.) Das bedeutet Familienbett für mich. Und da brauch ich eigentlich gar keine Argumente zu normal, gefährlich, Erholung, Verwöhnung, Aufopferung oder auch Bedürfnisse diskutieren. Uns gefällt's. Punkt. 

 

Und wie Janina von Herzmutter zur Thematik schon geschrieben hat:

 

"In anderen Kulturen ist das ganz normal und von dem Land, in dem alle Jugendliche bei ihren Eltern im Bett schlafen wollen, habe ich persönlich noch nichts gehört"

Update 1: Mittlerweile gibt es ein Kinderzimmer mit einem riesigen ausziehbaren Bett. Eigentlich schläft J. mittlerweile dort. Wir aber auch. Es fühlt sich so komisch an zu zweit zu kuscheln und er muss alleine liegen. Vor allem wenn er dann morgens aufwacht und weint, weil niemand da liegt, zu dem er sich kuscheln kann. Also wieder Familienbett. Nur im anderen Zimmer....

 

Update 2: Matthias Pfützner aus dem Ennstal (der kommt aus demselben Bundesland wie ich), hat mich angeschrieben, weil er Familienbetten baut, die mensch dann auch wieder kleiner machen kann. Aus Massivholz mit allem Pipapo. Normalerweise mache ich ja nicht wirklich Werbung, aber in diesem Fall lassen wir uns beide Mal auf das Experiment hier ein und ihr folgt einfach dem Link, wenn euch das jetzt neugierig gemacht hat.


Update 3: Mittlerweile ist er ja schon 3 Jahre alt, ich bin nicht mehr so gesegnet, weil er seit einem halben Jahr erst um frühestens halb 10 Uhr abends müde ist. Diese Mittagsschlafsache... Abgesehen davon, schläft er mittlerweile im eigenen Zimmer und meist durch. Wenn nicht oder kurz vor unserem Wachwerden kommt er mit Sack und Pack in unser Zimmer und kuschelt sich ganz selbstverständlich zwischen uns. Das genießen wir noch immer sehr. Und wenn er dann ein bisschen später nochmal aufwacht und mir mit 1cm Abstand "Guten Morgen, Mama" ins Gesicht sagt, dann schmelz ich schon ein bisschen dahin. <3 


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